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Informationsbrief Nr. 5

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Informationsbrief Nr. 5

Der Streik bei Autoeuropa (VW Portugal) ist ein Vorbild für Arbeiter auf der ganzen Welt

Wir von der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz begrüßen den Kampf der Belegschaft von Autoeuropa gegen das Diktat und die Erpressungen des VW Konzerns. Der Vorstand hat vor, die gesamte Belegschaft in einem festen 18-Schicht-Modell Samstags arbeiten zu lassen und Sonntags in Nachtschicht, ohne Bezahlung als Bedingung für die Vergabe des neuen T-Roc Modells. „Diese neuen Schichtpläne haben ernste gesundheitliche Folgen“, so ein Arbeiter. Nur noch jede 3. Woche gibt es zwei zusammenhängende freie Tage. Dazu zwei verheiratete VW-Beschäftigte: „Wenn dieses Arbeitszeitmodell eingeführt wird, können wir uns als Familie nur noch Sonntags sehen. Das ist nicht akzeptabel“.

Die Belegschaft hat vorbildlich darauf reagiert. Sie weigerten sich, dieses Diktat zu akzeptieren, und traten in einen 24-stündigen Streik, der von allen Arbeitern und Arbeiterinnen in vollem Umfang befolgt wurde. Außerdem traten diejenigen Gewerkschaftsführer zurück, die den Plänen des Vorstands zugestimmt hatten. „Dieser Streik war sehr wichtig, weil er unsere Position klargemacht hat.“, sagte ein Arbeiter der Nachrichtenagentur Lusa. In ganz Portugal -und weit darüber hinaus- entwickelte sich große Solidarität. Selbst die führenden Medien des Landes berichteten respektvoll und voller Sympathie vom „historischen Streik“ der VW-Belegschaft.

Dieser erfolgreiche und selbstbewusste Kampf versetzte den VW-Konzern derart in Panik, dass er jetzt die ganze Belegschaft offen angreift und erpresst. Wenn sie der Flexibilisierung nicht zustimme, werde die T-Roc-Produktion nach SEAT Martorell (Spanien) verlagert. Der Seat-Vorstand sagte bereits zu, dass ab Sommer 2018 eine Verlagerung möglich sei. Parallel haben unter der Regie von VW auch die bürgerlichen Medien umgeschaltet: Seit dem erfolgreichen Streik führt die kapitalistische Presse einen Medienkrieg, mit dem Ziel, die Arbeiter und Arbeiterinnen zu entwürdigen, sie als privilegiert und verantwortungslos darzustellen.

Offensichtlich ist den VW-Bossen angesichts der wachsenden kämpferischen Stimmung in immer mehr Werken die Situation nicht mehr geheuer. In zahlreichen Werken entwickeln sich Proteste gegen die Abwälzung der VW-Krise auf unseren Rücken – gegen Entlassung und für Übernahme von Leiharbeitern wie in China oder Wolfsburg und Hannover (Deutschland), gegen extreme Arbeitsverdichtung wie in Poznan (Polen) oder Versetzungen in andere Werke wie in Braunschweig (Deutschland). Die VW-Belegschaft Bratislava hat mit ihrem erfolgreichen 10-tägigen Streik für 14% Lohnerhöhung Zeichen gesetzt, entgegen der Profitlogik von unseren Klasseninteressen auszugehen. Auch der Ruf nach Aufklärung der kriminellen Abgasmanipulationen und für Bestrafung und Verurteilung der Verantwortlichen wird unter den VW-Belegschaften lauter. Auch das versucht der VW-Konzern mit verstärkter Repression zu unterdrücken. So mit Kündigungsdrohungen gegen kämpferische Arbeiter wie Sigmar Herrlinger (Porsche Stuttgart) oder Andreas Gärtner (VW Kassel).

Die mutige Belegschaft von VW Autoeuropa blickt mit ihrer Ablehnung der extremen Flexibilisierung auch auf alle anderen Werke, wie ein Lackiererei-Arbeiter berichtet: „Es gibt andere Fabriken, die dem Beispiel von Autoeuropa folgen werden. Es ist ein sehr großer Präzedenzfall im Konzern“.1

VW will in Portugal ein Exempel statuieren nach dem Motto „Das haben Belegschaften zu erwarten, wenn sie sich nicht den VW-Forderungen fügen. Wer kämpft ist selbst schuld an Arbeitsplatzvernichtung, nicht VW“. Das ist ein Angriff auf alle VW-Belegschaften. Diese Methode kennen wir schon von Opel. Nach 10 Jahren Kampf der Bochumer Opelaner um ihre Arbeitsplätze wurde das Werk 2014 aus politischen Gründen dichtgemacht. Auch das sollte ein Exempel sein, um andere Belegschaften zum Stillhalten zu zwingen. Doch sie haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Kampf der Opelaner ging in das kollektive Gedächtnis der Arbeiter ein. Die Fackel des Kampfes wird in viele Werke weitergetragen.

Angesichts dieser Situation erklärt die internationale Koordinierungsgruppe der IAC:

  • Unsere absolute Unterstützung des gerechten Kampfs der Belegschaft von Autoeuropa, für würdige Arbeitsbedingungen und gegen die Erpressung durch den VW-Konzern.

  • Verurteilung der Manöver und Erpressungen des VW Konzerns. Ein Unternehmen, das Milliarden an Strafen für die illegale und kriminelle Abgasmanipulation von Dieselmotoren bezahlt hat und das weiterhin Milliarden Gewinne macht, kann nicht einfach damit weiter machen, die Kosten für die Entscheidungen seiner korrupten Vorstände auf den Rücken der Familien abzuwälzen.

  • Wir fordern den VW-Konzernvorstand auf, das demokratische Ergebnis der Abstimmung der Belegschaft von Autoeuropa zu akzeptieren, die Arbeitsbedingungen unverändert beizubehalten und das T-Roc-Modell in Palmela zu fertigen.

Wir werden einen Aufruf an alle Gewerkschaften von allen VW Werken der ganzen Welt starten, damit sie sich der manipulativen Strategie der „Auftragsvergabe“ entgegenstellen. Diese wird von VW dazu benutzt, die Belegschaften gegeneinander auszuspielen. Im Besonderen fordern wir die europäischen und weltweiten Betriebsratskomitees dazu auf, dass sie diese Manöver ablehnen. Wir können die Erpressung der portugiesischen Belegschaft nicht akzeptieren, weil es sich zweifellos um einen Präzedenzfall handelt, der dann auch in anderen Fabriken umgesetzt werden soll.

Die Internationale Automobilarbeiterkonferenz wird auch weiterhin den Kampf der Kolleginnen und Kollegen von Autoeuropa unterstützen und wir werden uns weiter koordinieren. Diese Solidaritätserklärung verteilen wir in allen Werken, in denen wir vertreten sind. Wir streben an, dass andere Gewerkschaften und Gewerkschaftsführer sich der internationalen Solidarität mit dem Werk in Palmela/Portugal anschließen und auch mit jedem anderen Werk, dass einen ähnlichen Angriff erleidet.

Es lebe der Kampf der Belegschaft von Autoeuropa!

Internationale Solidarität um die Erpressung von VW abzuwehren!

Macht mit in der internationalen Automobilarbeiterkoordination!

Carlos Luiz Prates Mancha (Brasilien), Diego Rejon Bayo (Spanien), Jörn Kleffel (Deutschland)

Koordinatoren der ICOG

Kollegen der Tiguan-Fertigung Wolfsburg schreiben: „Wir finden es gut, dass ihr gegen die Einführung der Samstagsarbeit streikt. Wir wollen euch unsere Solidarität aussprechen. Wir wünschen euch viel Erfolg und lasst euch nicht unterkriegen! Kämpft bis zum Schluss - bis eure Forderungen erfüllt sind!“

CSP-Conlutas Brasilien veröffentlichte einen „Aufruf zur internationalen Solidarität mit dem Streik der ArbeiterInnen von Autoeuropa VW in Portugal“.

Freunde der ICOR Portugal betonen: „In diesem Sinne appellieren wir an die Arbeiter, ihre Forderungen nach Beseitigung der prekären Beschäftigung durchzusetzen, den Kampf für gleiche Bezahlung voranzubringen ebenso wie den Wunsch zu verwirklichen, die Bande der Solidarität und der internationalistischen Einheit aller Arbeiter von Autoeuropa zu stärken.“

1Alle Zitate aus Dinheiro-Vivo und tvi24.iol.pt

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